Dienstag, 9. August 2011

Mysore Palace und seine Straßenverkäufer

Ich schreibe jetzt über das Wochenende vor dem vergangenen Wochenende vor dem vergangenen Wochenende, dieses endete mit einer Tour nach Mysore. Auf dem Weg dahin gibt es einen uralten Tempel, weil Sonntag ist, kann man die Besichtigung knicken. Sonntags arbeitet man auch hier nicht soviel und geht deshalb nicht als Tourist, sondern als praktizierender Hindu in den Tempel, den wir so gerne auch gesehen hätten. Naja von außen sehr schön golden mit Verzierungen. Eine Mischung aus Mayatempel und Kölner Dom. Und ich komme zum ersten Mal mit indischen Straßenverkäufern in Kontakt. Man hat ja helle Hautfarbe und wird deshalb sofort gefragt "where are you from"- "Europe" - "which country?" - "Germany" - "aaah, Berlin, Munich, do you have coins in your currency?"... Er wollte erstmal nichts verkaufen, sondern Münzen haben. Irgendwie scheinen die zu glauben, dass man die Weisheit Deutschland Berlin und München zuordnen zu können, in Euromünzen umtauschen zu können. Ich jedenfalls trage nur Rupien mit mir rum und muss ihn leider enttäuschen. Um mich herum passiert das gleiche mit den anderen und ich bin beeindruckt vom Wissen über die Hauptstadt Rumäniens, wer interessiert sich für Bukarest? Wir haben ein paar Inder dabei, die uns sagen man solle schön handeln, der Kram der da verkauft wird ist eh alles Mist. Also fängt man fleißig an zu handeln "How much is the Ganesh?" (Ganesh ist der Gott mit dem Rüssel, er verfolgt mich; ich stehe vor einem Tempel und frage die Brahmanen (Priester) welchem Gott dieser Tempel gewidmet ist, sie verstehen kein Englisch und gucken sich gegenseitig an. Ein Spanier macht wildeste Südeuropazeichensprache und aus seinem Mund kommt ein verrücktes 'WHICH GOD?' auf das der eine Brahmane 'Ganesha' antwortet. Ich mache wie im Kindergarten den Elefantenrüssel mit dem Arm, halte mir mit dem anderen die Nase zu und mache das Elefantentröten aus der Sendung mit der Maus. Die beiden Brahmanen freuen sich wie Schneekönige - der bärtige Europäer weiß, dass Ganesh eine Art Elefant ist...) - "Ganesh, 600 Rupies", ok ich denke mir, das bisschen Holz und biete ihm 100, was ich persönlich zwar für eine Frechheit halte, ich will den Ganesh aber auch gar nicht haben. Wir einigen uns nach einigem 550 - 100 - 500 - 100 - 450 - 100 ich wende mich ab und gehe ein paar Schritte und höre ein "Boss, 350, last offer" (Boss ist hier jeder: Kellner, Schaffner im Bus, Sicherheitstyp, Auskunftsmann, eine Anrede, die man nicht unhöflich findet.) Wir einigen uns auf 300 Rupien für 2 Ganesh, ich verkaufe einen für 150 Rupien an einen Belgier und ziehe nach einigem Warten auf die Kaufwütigen mit meinem Holzgott von  dannen. Auf dem Weg zurück zu unserem Bus müssen wir den Berg auf dem der Tempel seit Ewigkeiten steht (einer der heiligsten 8 Hügel Indiens) ein wenig herabschreiten, gehen also die Straße entlang und sehen vor uns eine Kuh. Das ist nichts Ungewöhnliches auf der Straße, diese Kuh aber bewegt sich in Richtung eines anderen Reisebusses und fängt an den rituellen Blumenschmuck vor dem Kühlergrill zu verspeisen. Es ist eine Kuh, also darf man nichts dagegen tun. Wenige Sekunden später blicke ich nach links auf die Straße, ein Roller kommt angefahren, am Steuer ein Mann, vor dem Mann ein sehr kleines Kind, hinter dem Mann ein größeres Kind und die Mutter ganz hinten im Sari (also seitwärtssitzend, macht man hier so, weil man sonst nackt wäre. Ein Sari ist quasi eine Tunika - für die Lateiner unter uns). Das größere Kind hält eine Tüte Chips und ganz flink kommt ein Affe angesprungen, schnappt sich die Tüte und ist zurück im Baum.
Alles Glühbirnen, wer tauscht sie aus? - Bleibt unklar!
In Mysore selbst schauen wir uns erstmal einen Palast an, ich laufe durch diesen Palast mit einer unserer indischen Betreuerinnen und frage sie, wie dort alles aus Gold (Eine Sänfte aus purem Gold, 750 kg), Silber, Elfenbein und Diamanten sein kann und Indien trotzdem so arm ist. Ich lerne, dass unsere britischen Nachbarn zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit Indiens (Gandhi ist auf jedem Geldschein) quasi jeden Palast und Tempel leergeräumt haben. Tatsächlich sind die meisten Heiligtümer ihrer goldenen Statuen beraubt.
Alles sehr beeindruckend, erinnert an den Louvre nur in Gold. Wir kommen zu spät zum Elefanten- und Kamelreiten und ich bin unendlich böse mit der indischen Unpünktlichkeit, die machen doch tatsächlich den Elefantenreitstand ausgerechnet an diesem Tag 5 Minuten früher zu.
Vor unserer Rückreise gibt es dann noch den geplanten ausgiebigen Fototermin mit dem Mysore-Palast in der Nacht, sieht sehr beeindruckend aus, weil alles so schön leuchtet. Die beiden anderen Wochenenden, den Strand, das Essen und den generellen Tagesablauf beschreibe ich später.
Namaste

1 Kommentar:

  1. Danke fuer die Erleuchtung (im wahrsten Sinne des Wortes). Endlich weiss ich wohin unsere Gluehlampen verschwunden sind. Wenn ich die Inder in die Finger kriege ...

    Bleiben mir halt doch nur noch die Heatballs. Wobei auch die sind momentan ausverkauft :(

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