Mittwoch, 10. August 2011

Ein Wochenende Nichtrafting

Ich bin im Büro und vernehme ein "... Let's do something awesome, not temples again - I wanna go rafting!..." Ich also "I'm in!" und wir brechen in der Nacht von Freitag auf Samstag auf einen Eintagesmännertrip auf. Rafting ist der Plan, nach einer Busfahrt durch die Nacht kommen wir völlig übermüdet (Schlafen bleibt auf diesen 'Highways' ohne irischen Schlaftrunk - Whiskey unmöglich) am Zielort an und erfahren, dass es dort kein Rafting gibt. Stimmung - Null, Wut 180. Die erste email sagte A, die zweite hingegen sagte B. Unglücklicherweise las unser indischer Kollege die zweite email nicht, also waren wir 650 km am falschen Ort, 4 Stunden vor Beginn des Raftings. Auf deutschen Autobahnen kein Ding, in Indien sind 650 km eine Tagesreise (der Schotterweg Wassersportgelände, Mainau, Litzelstetten ginge als Highway durch).
Nach einigem Missmutigsein entscheiden wir uns umzubuchen und Kajaking, ein bisschen Stromschnellen und so eine Bootstour zu machen. Die Stimmung hebt sich schlagartig mit dem Einsitzen in den Kajak, Ire, Spanier, Holländer und ich machen sich mit einem Inder als Führer auf und stechen in Fluss. Man kajakt so dahin und plötzlich ruft der Inder 'look, crocodile'. Wir sind etwas erstaunt, wir sind vorher auf Safari gewesen und haben keine Tiger gefunden, sind jetzt nicht auf Safari aber paddeln im Fluss mit Krokodilen. Der Holländer hat Todesangst und erstarrt, der Spanier ist sowieso verrückt (ich werde ihm einen eigenen Blogeintrag widmen!), der Ire und ich wollen näher ran, wir sitzen ja in einem Kajak - was kann schon passieren, dürfen aber nicht. Kajaking im Urwaldfluss macht jedoch einen Heidenspaß! Der Rest der Gruppe machte zu der Zeit eine Bootstour in einem halben Fußball aus Metall. Also einfach eine stählerne Nussschale, diese Bootstour endet am anderen Flussufer in felsig, buschigem Gebiet. Wir entscheiden uns, da wir auf der anderen Seite sind, den Fluss schwimmend zu durchqueren, das Krokodil haben wir nicht mehr im Kopf. Auf der anderen Seite erwarten uns große Felsbrocken und eine Menge Spaß in Stromschnellen. Wir klettern also über die Steine, rutschen manchmal ab, aber nichts schmerzhaftes passiert. Dann passiert etwas blödes: Einer der Inder schlägt vor die Stromschnelle als Naturrutsche zu benutzen, man kann auch eigentlich nichts anderes machen, weil das Wasser sehr mitreißend wirkt. Unter der Wasseroberfläche warten aber Steine und man klemmt sich den Fuß ein, das ist eher schmerzhaft. Nach einigen Sprüngen von einem glitschigen Felsbrocken in einen Fluss, der mal 30 cm, mal 2 m tief ist und nach dem Rückweg durch den Fluss findet der Ire eine Seilschaukel. Also ein Seil an einem Baum, man schwingt in etwa 5-10 m Höhe an einem alten Hanfseil im Dschungel herum, super!
Auf dem Weg zurück machen wir halt an einer Krokodilfarm (viele viele Krokodile), spielen ein bisschen Cricket (eigentlich nur der verrückte Spanier), jagen kleine indische Kinder (nur ich, Huckepack auf einem Belgier, siehe Bild) und besteigen unseren Bus in Richtung Liquorstore. Im Bus haben wir eine kleine Party, weil wir sowieso nicht schlafen können, wegen der schlechten Straßenverhältnisse. Nach einem kleinen Zwischenstopp (am Meer, weil Küstenautobahn) inklusive Omelette mit Toast bei einem Typen, der auf Feuer am Straßenrand kocht und irischer Großmutters Schlaftrunk - Whiskey, schlafen wir wie die Babys und erreichen am Sonntag Morgen nach einem unglaublich guten Tag Nichtraftings Manipal.
Wie man in Indien einen wunderschönen Strand erreicht schreibe ich vielleicht gleich noch.
Namaste

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