Montag, 22. August 2011

Stand - Javier

Eigentlich wollte ich über den Strand schreiben, das ist aber eigentlich einfach nur ein Strand. Besonders sind die Gepflogenheiten, an die wir Europäer uns nicht halten. Inder gehen, wenn sie baden, mit Jeans und T-Shirt ins Wasser. Badehose - Fehlanzeige. Das sind männliche Inder, weibliche Inder gehen erst gar nicht rein, die einzige indische Frau, die ich im Wasser gesehen hatte, war mit einem Sari bekleidet.
Javier, mein erster Zimmergenosse hier, Vollblutspanier und ganz ganz große Spaßkanone war besonders bekleidet und ist auf Jagd nach Indern gegangen:
Dieses Bild bedarf keiner Bildunterschrift
Manche der Internationalen, die sich die Zeit nehmen nicht zu arbeiten
Jedenfalls zeigt das Bild Javier wie er leibt und lebt. Ansonsten ist Strand sandig, auf der einen Seite Wasser, auf der anderen Kokospalmen und Restaurants, bzw. Straßenküche.
Von vielen Tempeln in Hampi und chinesischen Fischernetzen in Cochin schreibe ich später noch.
Namaste


Freitag, 19. August 2011

Arbeit Arbeit

Ich bin ja jetzt schon ein paar Wochen hier und habe auch einige Stunden gearbeitet. Nachdem mein Mentor hier so zufrieden mit den Ergebnissen war, hat er mich gebeten meine Arbeit in seiner Vorlesung (Computerphysik für die Studenten im zweiten Jahr ihres Masterstudiums in Physik) vorzustellen, mit Englischsprechen, Präsentation (natürlich LaTeX) und allem Pi Pa Po. Ich habe noch ein paar meiner Mitpraktikanten eingeladen um das ein oder andere Bild zu schießen, dank denen kann ich hier auch eines publizieren:


Um meine Arbeit mal etwas genauer zu beschreiben - Höflichkeit ist kein Grund weiterzulesen (unten gibt's noch ein kleines Drehbuch für die Unphysikalischen): Ich habe mir einen Zufallszahlengenerator gebaut und mit den generierten Zufallszahlen zuerst den radioaktiven Zerfall einer bestimmten Zahl von Teilchen simuliert. Interessanterweise traf meine Zufallszahlenmethode die analytische Lösung (Exponentialfunktion mit negativem Exponenten ;-] ) exakt genug, dass man ohne Zoom den Unterschied nicht sieht. Nachdem das also geklappt hatte habe ich mich an eine reelle Zerfallskette gemacht und siehe da, auch diese Daten passten exakt zum Experiment und zur numerischen Lösung (Der Experimentator hat also durch mich nichts gewonnen, weil er eine numerische Lösung schon hatte, sofern er fähig ist google.com zu verwenden). Um nochmehr an radioaktivem Zerfall zu arbeiten, habe ich noch die Häufigkeit von Zerfallsereignissen pro Zeitintervall untersucht. Dafür erwartet man eine Poisson-Verteilung und siehe da, das klappte auch.  
Mit meiner Präsentation heute bin ich also fertig mit meinem Projekt (natürlich hat man es sich nicht nehmen lassen mich für mehr Arbeit einzuspannen und daher arbeite ich jetzt an Diffusion, das ist aber wieder eine völlig andere Geschichte).
Für die Unphysikalischen, hier weiterlesen:
Das schönste war aber Zwischenergebnisse vorzustellen, das läuft immer gleich ab, ein kleines Zwischenspiel in einem Akt:
---
Philipp: 'Hello Sir, I think I got some results' ...
[Philipp versucht sein Notebook aufzuklappen und die Maschine bereit zu machen, nachdem er das richtige Fenster findet dreht er den Bildschirm und wartet auf des Inders Kommentar] 
Mahesh: [schreit über seine Bürowand {als kleine Erklärung: Büros haben zwar eine Decke, die Wände schließen aber nicht an der Decke ab, das kann man sich wie Toilettenwände zum drübergucken vorstellen}] 'Aaaaah, Pramod, Pramod {das ist sein Büronachbar}' 
Pramod: [betritt den Raum] 'Huh?'
Mahesh: [starker indischer Akzent] 'radioactivity frequency...'
[Philipp versteckt seine Unsicherheit in einem Lächeln]
Pramod: [stärkerer indischer Akzent] 'Aaaaaaah, wonderful'
[Philipp verbirgt seine Siegesgewissheit in einem Lächeln]
[Mahesh und Pramod unterhalten sich in Hindi, Philipp guckt blöd aus der Wäsche und versucht das Verfolgen des Gesprächs vorzutäuschen]
Mahesh: 'So what you will do next, is:....'
[Pramod spricht Hindi und verlässt den Raum]
[Philipp nickt Pramod zu und hört sich seine nächste Aufgabe an]
...
Philipp: 'Thank you sir, i'll come back when I finished that'
[Ein Gespräch über mein Befinden in Indien, sowie der vergangene Wochenendtrip und der folgende Wochenendtrip könnte aufkommen]
Mahesh: 'Bye'
Philipp: 'Bye'
[Philipp verlässt den Raum, vergisst seinen Regenschirm, kommt zurück, lacht, verlässt die Bühne mit einem gekonnten Wurf, den Regenschirm in der Luft drehend]
---
Naja jetzt habe ich erstmal Urlaub.
Namaste


Mittwoch, 10. August 2011

Ein Wochenende Nichtrafting

Ich bin im Büro und vernehme ein "... Let's do something awesome, not temples again - I wanna go rafting!..." Ich also "I'm in!" und wir brechen in der Nacht von Freitag auf Samstag auf einen Eintagesmännertrip auf. Rafting ist der Plan, nach einer Busfahrt durch die Nacht kommen wir völlig übermüdet (Schlafen bleibt auf diesen 'Highways' ohne irischen Schlaftrunk - Whiskey unmöglich) am Zielort an und erfahren, dass es dort kein Rafting gibt. Stimmung - Null, Wut 180. Die erste email sagte A, die zweite hingegen sagte B. Unglücklicherweise las unser indischer Kollege die zweite email nicht, also waren wir 650 km am falschen Ort, 4 Stunden vor Beginn des Raftings. Auf deutschen Autobahnen kein Ding, in Indien sind 650 km eine Tagesreise (der Schotterweg Wassersportgelände, Mainau, Litzelstetten ginge als Highway durch).
Nach einigem Missmutigsein entscheiden wir uns umzubuchen und Kajaking, ein bisschen Stromschnellen und so eine Bootstour zu machen. Die Stimmung hebt sich schlagartig mit dem Einsitzen in den Kajak, Ire, Spanier, Holländer und ich machen sich mit einem Inder als Führer auf und stechen in Fluss. Man kajakt so dahin und plötzlich ruft der Inder 'look, crocodile'. Wir sind etwas erstaunt, wir sind vorher auf Safari gewesen und haben keine Tiger gefunden, sind jetzt nicht auf Safari aber paddeln im Fluss mit Krokodilen. Der Holländer hat Todesangst und erstarrt, der Spanier ist sowieso verrückt (ich werde ihm einen eigenen Blogeintrag widmen!), der Ire und ich wollen näher ran, wir sitzen ja in einem Kajak - was kann schon passieren, dürfen aber nicht. Kajaking im Urwaldfluss macht jedoch einen Heidenspaß! Der Rest der Gruppe machte zu der Zeit eine Bootstour in einem halben Fußball aus Metall. Also einfach eine stählerne Nussschale, diese Bootstour endet am anderen Flussufer in felsig, buschigem Gebiet. Wir entscheiden uns, da wir auf der anderen Seite sind, den Fluss schwimmend zu durchqueren, das Krokodil haben wir nicht mehr im Kopf. Auf der anderen Seite erwarten uns große Felsbrocken und eine Menge Spaß in Stromschnellen. Wir klettern also über die Steine, rutschen manchmal ab, aber nichts schmerzhaftes passiert. Dann passiert etwas blödes: Einer der Inder schlägt vor die Stromschnelle als Naturrutsche zu benutzen, man kann auch eigentlich nichts anderes machen, weil das Wasser sehr mitreißend wirkt. Unter der Wasseroberfläche warten aber Steine und man klemmt sich den Fuß ein, das ist eher schmerzhaft. Nach einigen Sprüngen von einem glitschigen Felsbrocken in einen Fluss, der mal 30 cm, mal 2 m tief ist und nach dem Rückweg durch den Fluss findet der Ire eine Seilschaukel. Also ein Seil an einem Baum, man schwingt in etwa 5-10 m Höhe an einem alten Hanfseil im Dschungel herum, super!
Auf dem Weg zurück machen wir halt an einer Krokodilfarm (viele viele Krokodile), spielen ein bisschen Cricket (eigentlich nur der verrückte Spanier), jagen kleine indische Kinder (nur ich, Huckepack auf einem Belgier, siehe Bild) und besteigen unseren Bus in Richtung Liquorstore. Im Bus haben wir eine kleine Party, weil wir sowieso nicht schlafen können, wegen der schlechten Straßenverhältnisse. Nach einem kleinen Zwischenstopp (am Meer, weil Küstenautobahn) inklusive Omelette mit Toast bei einem Typen, der auf Feuer am Straßenrand kocht und irischer Großmutters Schlaftrunk - Whiskey, schlafen wir wie die Babys und erreichen am Sonntag Morgen nach einem unglaublich guten Tag Nichtraftings Manipal.
Wie man in Indien einen wunderschönen Strand erreicht schreibe ich vielleicht gleich noch.
Namaste

Dienstag, 9. August 2011

Mysore Palace und seine Straßenverkäufer

Ich schreibe jetzt über das Wochenende vor dem vergangenen Wochenende vor dem vergangenen Wochenende, dieses endete mit einer Tour nach Mysore. Auf dem Weg dahin gibt es einen uralten Tempel, weil Sonntag ist, kann man die Besichtigung knicken. Sonntags arbeitet man auch hier nicht soviel und geht deshalb nicht als Tourist, sondern als praktizierender Hindu in den Tempel, den wir so gerne auch gesehen hätten. Naja von außen sehr schön golden mit Verzierungen. Eine Mischung aus Mayatempel und Kölner Dom. Und ich komme zum ersten Mal mit indischen Straßenverkäufern in Kontakt. Man hat ja helle Hautfarbe und wird deshalb sofort gefragt "where are you from"- "Europe" - "which country?" - "Germany" - "aaah, Berlin, Munich, do you have coins in your currency?"... Er wollte erstmal nichts verkaufen, sondern Münzen haben. Irgendwie scheinen die zu glauben, dass man die Weisheit Deutschland Berlin und München zuordnen zu können, in Euromünzen umtauschen zu können. Ich jedenfalls trage nur Rupien mit mir rum und muss ihn leider enttäuschen. Um mich herum passiert das gleiche mit den anderen und ich bin beeindruckt vom Wissen über die Hauptstadt Rumäniens, wer interessiert sich für Bukarest? Wir haben ein paar Inder dabei, die uns sagen man solle schön handeln, der Kram der da verkauft wird ist eh alles Mist. Also fängt man fleißig an zu handeln "How much is the Ganesh?" (Ganesh ist der Gott mit dem Rüssel, er verfolgt mich; ich stehe vor einem Tempel und frage die Brahmanen (Priester) welchem Gott dieser Tempel gewidmet ist, sie verstehen kein Englisch und gucken sich gegenseitig an. Ein Spanier macht wildeste Südeuropazeichensprache und aus seinem Mund kommt ein verrücktes 'WHICH GOD?' auf das der eine Brahmane 'Ganesha' antwortet. Ich mache wie im Kindergarten den Elefantenrüssel mit dem Arm, halte mir mit dem anderen die Nase zu und mache das Elefantentröten aus der Sendung mit der Maus. Die beiden Brahmanen freuen sich wie Schneekönige - der bärtige Europäer weiß, dass Ganesh eine Art Elefant ist...) - "Ganesh, 600 Rupies", ok ich denke mir, das bisschen Holz und biete ihm 100, was ich persönlich zwar für eine Frechheit halte, ich will den Ganesh aber auch gar nicht haben. Wir einigen uns nach einigem 550 - 100 - 500 - 100 - 450 - 100 ich wende mich ab und gehe ein paar Schritte und höre ein "Boss, 350, last offer" (Boss ist hier jeder: Kellner, Schaffner im Bus, Sicherheitstyp, Auskunftsmann, eine Anrede, die man nicht unhöflich findet.) Wir einigen uns auf 300 Rupien für 2 Ganesh, ich verkaufe einen für 150 Rupien an einen Belgier und ziehe nach einigem Warten auf die Kaufwütigen mit meinem Holzgott von  dannen. Auf dem Weg zurück zu unserem Bus müssen wir den Berg auf dem der Tempel seit Ewigkeiten steht (einer der heiligsten 8 Hügel Indiens) ein wenig herabschreiten, gehen also die Straße entlang und sehen vor uns eine Kuh. Das ist nichts Ungewöhnliches auf der Straße, diese Kuh aber bewegt sich in Richtung eines anderen Reisebusses und fängt an den rituellen Blumenschmuck vor dem Kühlergrill zu verspeisen. Es ist eine Kuh, also darf man nichts dagegen tun. Wenige Sekunden später blicke ich nach links auf die Straße, ein Roller kommt angefahren, am Steuer ein Mann, vor dem Mann ein sehr kleines Kind, hinter dem Mann ein größeres Kind und die Mutter ganz hinten im Sari (also seitwärtssitzend, macht man hier so, weil man sonst nackt wäre. Ein Sari ist quasi eine Tunika - für die Lateiner unter uns). Das größere Kind hält eine Tüte Chips und ganz flink kommt ein Affe angesprungen, schnappt sich die Tüte und ist zurück im Baum.
Alles Glühbirnen, wer tauscht sie aus? - Bleibt unklar!
In Mysore selbst schauen wir uns erstmal einen Palast an, ich laufe durch diesen Palast mit einer unserer indischen Betreuerinnen und frage sie, wie dort alles aus Gold (Eine Sänfte aus purem Gold, 750 kg), Silber, Elfenbein und Diamanten sein kann und Indien trotzdem so arm ist. Ich lerne, dass unsere britischen Nachbarn zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit Indiens (Gandhi ist auf jedem Geldschein) quasi jeden Palast und Tempel leergeräumt haben. Tatsächlich sind die meisten Heiligtümer ihrer goldenen Statuen beraubt.
Alles sehr beeindruckend, erinnert an den Louvre nur in Gold. Wir kommen zu spät zum Elefanten- und Kamelreiten und ich bin unendlich böse mit der indischen Unpünktlichkeit, die machen doch tatsächlich den Elefantenreitstand ausgerechnet an diesem Tag 5 Minuten früher zu.
Vor unserer Rückreise gibt es dann noch den geplanten ausgiebigen Fototermin mit dem Mysore-Palast in der Nacht, sieht sehr beeindruckend aus, weil alles so schön leuchtet. Die beiden anderen Wochenenden, den Strand, das Essen und den generellen Tagesablauf beschreibe ich später.
Namaste