Nachdem also kein Taxifahrer bereit war mich einzupacken, bzw an dem Ort abzusetzen den ich als mein Ziel auserkoren hatte, ging ich guten Mutes zu Fuß los. Interessanterweise war das auch die richtige Richtung, kam an einem riesigen Schild vorbei, darauf stand: "Manipal Institute of Technology"(MIT) - Nice, ich bin also angekommen: Tourist Philipp packt die Digitalkamera aus, macht das Siegerfoto, geht zum Eingang und fragt den Wachmann wo denn das Innovation Centre wäre. Er verweist mich an die Manipal University, die deutlich weiter weg sei. Also drehe ich um und suche die Universität. In diesem Moment schlägt dieser Wassereimer, den wir aus der Entfernung Monsun nennen, zu! Kapuze auf den Kopf und weiterlaufen. Da erbarmt sich ein Rikschataxi, nimmt mich auf und fährt mich zur Manipal University, 20 Rupien, interessanterweise kostet jede Taxifahrt 20 Rupien, bisher habe ich nur einmal mehr gezahlt. An der Universität scheint der Wachmann vom Fach zu sein, er erkennt den Regen an und lässt mich in seine Wachmannbude. Dann ruft er interessante Sachen in sein Telefon und pfeift energisch das nächste Taxi ran. Das fuhr mich dann tatsächlich zurück zum MIT. Da war ich schon misstrauisch, vorhin war das ja noch falsch, naja.
Vor Gebäude 3 steht dann so eine Art bunter Wachmann, je bunter desto hochrangiger, denke ich mir in Gedenken an Herrn G. aus Lybien, und diesem zeige ich meinen bis dahin völlig durchnässten Ausdruck meiner letzten Email, in der nur drin steht wo ich nach meiner Ankunft hingehen soll. Der Finger deutet immer wieder auf "Innovation Centre" (Ich hatte irgendwie im Kopf das sollte in Block 4 sein), der Wachmann guckt irgendwie genervt und sagt was zu meinem Taxifahrer. Dieser fährt mich also zum Block 14, das sei das Richtige. Dort angekommen zahle ich das erste mal keine 20 Rupien sondern soll 70 löhnen, da biete ich ihm 40 und wir einigen uns auf 50. Das hätte Spaß gemacht, wäre ich nicht total übermüdet, durchnässt und hilflos vor dem nächsten Gebäude gestanden.
In diesem Gebäude gab es links eine Pinnwand mit vielen Flyern mit IAESTE Logo, denke ich mir: Super du bist also da. Laufe zum Mann am Empfangstisch und sage ihm ich sei Philipp aus Deutschland, man erwarte mich. Irgendwie hat er das anders gesehen und mich nach einigen Telefonaten in einem 1-Zimmer Appartement mit Klimaanlage untergebracht. Ich sollte aber nicht auspacken, ich würde nochmal umgezogen in ein Gruppenzimmer. In meiner misslichen Lage, immer noch nicht angekommen zu sein, nach wie vor hat dieser Mann keinen Plan gehabt wo ich hingehöre, er schien zufrieden mich in diesen Raum gepackt zu haben, versuchte ich ein bisschen zu ruhen. An dem Punkt drängte sich mir der Gedanke auf, warum mache ich das überhaupt: Hier ist kein interkultureller Austausch, man versteht einander nicht. Es regnet ununterlässlich und ich habe keinen Regenschirm. Es ist laut, riecht komisch und irgendwie große Ungeziefer.
Nach wenigen Minuten nervösem Dösen war ich entschlossen dieses blöde Innovation-Centre zu finden. Auf den Flyern stand etwas von "Innovation Centre, Academic Block 4, First Floor" also suche ich Block 4 und habe dabei Glück. Genau an der Stelle, wo der Wachmann noch sagte "Innovation-Centre" Block 14, sehe ich also Block 4, schreite durch ein gläsernes Portal (Bis dahin sah alles gleich ockerfarben aus), steige die Treppe in den ersten Stock, sehe IAESTE, finde sofort jemanden der mich zum gefragten Büro bringt und ich bin endlich angekommen. Ein heller Raum, superfreundliche Leute und Namensschilder auf denen Länder stehen. Ganz vorne Germany, verteilt auf den Raum Poland, Oman, und Ländernamen, die ich nicht schreiben kann. Meine Stimmung hellt sich schlagartig auf, als ich einen WiFi Zugang bekomme. Guten Mutes schreite ich zurück zu Block 14, packe meine Sachen, lege einem anderen Empfangstischmann den Schlüssel auf den Counter, finde meine Email, die dieser als Quittung einbehalten hatte und bin weg.
Nur noch ein paar Formalitäten und mein Hostel-Zimmer beziehen. Auf dem Weg zum Hostelzimmer erklärt mir einer der Koordinatoren er wäre am Tag zuvor morgens am Tiger Circle (Manipal Zentrum, wo alle Busse ankommen), gewesen um mich abzuholen. Als ich nicht ankam machte man sich Sorgen, da zeitgleich mit meiner erwarteten Ankunft am Flughafen auch die Bombings in Mumbai anfingen.
Hätte ich mich also nicht mit dem Ankunftsdatum verrechnet (ich lande am 14.07, also komme ich am 14.07 auch an ist leider nicht richtig mit 8 Stunden Busfahrt), wäre das alles wie geschmiert abgelaufen.
Dazu muss ich aber sagen, es gab deutlich interessantere Wege hierhin zu kommen: Tarek aus Syrien hat vom Flughafen Bangalore das Taxi nach Manipal genommen, da alle Flüge und Busverbindungen ausgebucht waren, irgendwie 14000 Rupien und ein überholter Elefant auf dem Weg.
Ich hatte rein monetär also Glück. Und das mit dem Elefant habe ich auch schon nachgeholt.
Siegerfoto? Ich seh kein Siegerfoto.. :)
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