Donnerstag, 28. Juli 2011

Dieses Monte Carlo

Hotellobby/-Restaurant/-Wohnzimmer 1000 Rupien die Nacht
Namaste, wenn man hier neue Leute kennen lernt läuft das immer nach demselben Schema ab, "Hi, I am Philipp, I am German" - "I am ... from ...". Dann tauscht man fix das Studiengebiet aus und fragt "Have you met your professor?". Und ich habe meinen Arbeitgeber getroffen, mich kurz vorgestellt und mit ihm ein bisschen Klönschnack über die Reise und das Essen und mein bisheriges Empfinden gehalten. Er war erfreut, ich war erfreut und so hat er mir ein paar Arbeitsaufträge gegeben. Ich gebe zu, dass ich mich noch nicht überarbeite, aber es ist auch schwierig neben all den Pflichten als internationaler Austauschgast, seine Zeit zum Arbeiten zu finden. Im Büro muss man sich damit herumschlagen, was man am Wochenende macht, so bin ich letztes Wochenende in den Bandipur-Nationalpark und nach Mysore gefahren. So eine Organisation läuft eigentlich immer gleich ab: Am Anfang steht der Wille einer Einzelperson "I wanna go ..., you in?". In diesem speziellen Fall hat der Ire Ryan seinen Wochenendplan so eingeführt "We'll book the bus to Bandipur national park for friday 9 pm, have an early morning safari, see some tigers and shit, go to Ooty, dinner in Ooty, drinks in Ooty, hotel in Ooty, see some temples, or whatever there is to see and go back to Manipal, you in?" - "Definitely, nice plan". Da dies ein großartiger Plan war, fanden sich schnell knapp 30 Mitstreiter, glücklicherweise darunter 4 Inder, da Busfahrer kein Englisch sprechen und auf die Frage nach einem "stop for water please" - "water?, yes, water!" einen Stop an einem berühmten Wasserfall machen. Viele Köche verderben den Brei und man plant am Ende doch um...
Bild von mir persönlich geknipst.
Zwei Busse inklusive Busfahrer fahren mit uns beladen um 9 Uhr abends los, unsere Busfahrer überholen rücksichtloser als jeder M3-Fahrer in jeder Kurve, bergauf, bergab und obwohl wir schneller als jeder andere Bus/Lkw/Motorrad/Pkw unterwegs sind ist die Durchschnittsgeschwindigkeit trotz Schnellstraße bei etwa 25-35 km/h. Wir erreichen den Nationalpark daher nicht früh genug, können nicht auf Morningsafari gehen und gehen deshalb erstmal in unser Hotel vom Typ Bretterverschlag, Dschungelcamp. Die Wände aus Wellblech oder diesem bunten Billigkunststoffwandtyp, jegliche Stützen aus Holz, Böden aus Kacheln (selten) oder gestampfter Erde und Teppichen. Da es sich um ein Dschungelhotel handelt, sind auch diverse Dschungeltiere vorhanden. In unserem Fall Hunde, Makaken und andere Affentiere, sehr schlau. Da wir von der langen Reise erschöpft einfach unsere Sachen in die 'Hotelzimmer' geworfen haben um zu frühstücken, haben wir keine besonderen Vorkehrungen getroffen. Es kommt also wie es kommen muss und die Affen ergreifen Besitz jeglicher Kekse, Chips, Kosmetikartikel mit angenehmem Geruch. Jetzt kann man sagen: Glück hat der, der keine Kosmetikartikel mit sich führt (man könnte es vermuten, jedoch gehöre ich nicht dazu) oder derjenige der seinen Skirucksack mit den besonders festen Reißverschlüssen nutzt, mein Typ. Diese flinken Äffchen haben tatsächlich die Rucksäcke aufgemacht und alles geklaut. 
Safari haben wir natürlich trotzdem gemacht, also in diesen interessanten Jeep gestiegen ein bisschen rausgehängt vom Typ Steven im Film Schule ("... na denn Attacke oder?"). Dann sieht man Pfauen, ein paar riesige Vögel, natürlich Tempel, leider keine Tiger, aber wenigstens dann doch noch einen wilden Elefanten und ein Bison. So ein Bison ist einfach verdammt groß, also so richtig groß! Safari ist eben nur in den Randgebieten erlaubt, im "coreforest", wo die Tiger leben, wobei jeder einzelne ein Revier von etwa 2,5 km³ beherbergt kann und sollte man sich nicht aufhalten, jedoch ist dieser nur durch einen schmalen Fluss getrennt. Dazu kommen natürlich alle möglichen nichtscheuen Tiere wie Dschungelrehe, Kühe (die laufen sowieso überall herum) und Katzen und Hunde (laufen auch überall rum). Dazu sehr viele exotische Pflanzen und eine Menge Spaß mit den Mitrerlebenden. Glücklicherweise hatte unser Jeep Aditi, IAESTE am MIT, an Board. Sie hat uns dann parallel noch alles mögliche, was der Fahrer so auf Hindi vor sich hingesagt hat, übersetzen können.
Nach einer langen Safari kommt der Gedanke auf, man müsse noch schnell den Geburtstag des Tages feiern, also ab zum Liquorstore und das leckere Kingfisher eingepackt (hier gibt es alles von Kingfisher: Airlines, Bier, Hotels, ... sogar der Formel 1 Rennstall Force India soll dazugehören). Da hier immernoch Winter ist, geht die Sonne früh unter und wir müssen schnell Richtung Hotel, Tiger-Ranch zurückkehren (Die Autos können den Dschungelfeldweg natürlich aus Gründen misslicher Traktionsverhältnisse nicht nutzen). Das ganze fing dann auch wie die Nachtwanderung auf der Klassenfahrt an, entwickelte sich aber zum Erschreckspiel Horrorfilm, da ein einzelnes Tier auftauchte. Im Dunkeln sehen die auch alle gleich aus, problematisch ist nur, dass Ochsen und Dschungelhirsche etc. Herdentiere sind. Ein einzelnes dunkles Wesen rieche eher nach Panther sagte uns unser Führer (natürlich erst danach). Jedenfalls zurück auf der Tiger-Ranch gibt es indisches Abendessen (überhaupt gibt es eigentlich immer indisches Essen, daran gewöhnt man sich und es ist wirklich lecker) und europäisches Abendtrinken am Lagerfeuer mit Dschungelgeräusch im Hintergrund und ab und zu einem Feuerwerkskörper, den wir an Silvester unter dem Decknamen "Besonders laut aus China und in Europa nicht zugelassen" auf dem Schwarzmarkt erwerben würden. Die Knallgeräusche halten wilde Elefanten davon ab sich zu nähern. Man lernt andere Hotelgäste kennen und macht sich einen schönen Abend, der länger und länger wird, da man ein bisschen Angst hat, die Affen könnten einem das Bett verunstaltet haben.
Glücklicherweise haben sie das nicht und lassen mich und meine Zimmerkollegen schlafen, am Morgen stellt sich heraus, dass einige Affen in einem weiblich bewohnten Badezimmer morgens um 6 das Badezimmer okkupieren und für einigen Schrecken sorgen, aber sich nicht über die Maße danebenbenehmen.
Wie man sich aus dem Dschungel wieder entfernt und sich die Stadt der Könige und Maharadschas, Mysore anschaut, schreibe ich vielleicht morgen, wenn ich wieder arbeite. Achja apropros Arbeit, die Überschrift Monte Carlo beschreibt was ich hier tue: Radioaktiven Zerfall mithilfe von Zufallszahlen simulieren, das ist aber nicht annähernd so spannend wie Indien und seine Herausforderungen.
Namaste

1 Kommentar:

  1. Is Monte Carlo simulation!

    You take 10,000 smelly exchange dudes, 10,000 packets of cookies and 10,000 monkeys.

    How many monkey steal the peach? I don't know! I just work here!

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