Donnerstag, 29. September 2011

Ok big boys

So jetzt bin ich quasi in Indien wirklich mit allem fertig, habe sogar schon fast alles gepackt und hoffe unter meiner Gewichtsfreigrenze zu bleiben. Ansonsten muss ich eben extrem viele Sachen anziehen. Vielleicht ist es ja in Deutschland schon kalt genug für zwei Pullis.
Ich habe vorhin mal nachgeguckt in den Statistiken von wo die Seitenzugriffe kommen und das war interessant. Die meisten natürlich aus Deutschland, manche wenige aus Nachbarländern (zufällig über Google hier gelandet) und der Rest aus Indien (wahrscheinlich ihr Mitpraktikanten, die ihr mir nie mitgeteilt habt, dass ihr von diesem Blog wisst, obwohl ich das nie gesagt habe).
Also ich danke für die positive Rückmeldung Mama, Papa, meinen Eltern, Geschwistern, Freunden in Konstanz (darunter die ein oder andere besondere E-Mail), Freunden um Neuss herum und natürlich Janas Mutter für das Interesse, die Jahreszeit lasse ich aus Gründen des Datenschutzes weg.

Vielen Dank auch für die Unterstützung die ich von vielen Seiten erfahren habe, natürlich dem Baggerseepirat mit IAESTE überhaupt anzukommen und so vielen mehr.

Ganz besonders danke ich natürlich den ganzen Damen und Herren mit denen ich hier in Indien soviel Zeit verbracht habe und die das hier alles nicht verstehen können, weil es zu deutsch ist.

Ich fühle mich schon wie auf der Heimreise und werde hier auch die Motivation verloren haben weiterzuschreiben, dafür bin ich ja wieder in Deutschland und wie gewohnt unter schnellem Internet erreichbar. Und kann ab dann persönlich Auskunft geben über mögliche Themen hier wie öffentlicher Transport, Lastentransport, der übliche Tagesablauf, und viel mehr....

Namaste,
Philipp

Mittwoch, 21. September 2011

Ich träume von Schwarzbrot

Meine Zeit hier in Indien neigt sich nun sehr schnell dem Ende entgegen.
Zeit den Schlussspurt einzuläuten, das hat sich auch mein Unterbewusstsein gedacht und mich heute morgen dazu veranlasst von Schwarzbrot zu träumen. Ein Tablett mit 6 Schwarzbroten im 2x1 Format, belegt mit:
1. Nutella
2. Butter und Salami
3. Butter und Gelbwurst/Lyoner/Extrawurst (österreichisch)
4. Butter und Schinken
5. Honig
6. Butter und Salz
Mein Zustand ist also bedenkenswert. Obwohl ich an den letzten zwei Wochenenden durchaus westliche Küche genießen konnte. Nach Hyderabad bin ich alleine gefahren und habe dort einen sehr netten Inder gefunden, der mir seine Couch anbot und mir Hyderabad auf dem Sozius seines Motorrads im Großstadtverkehr zeigte.
Recht geregelter Verkehr, man achtet sogar auf Ampeln (unüblich hier)
Ich nenne es mein indisches Wochenende, weil ich nicht mit einer Horde Europäer in irgendeinem Touristentempel eingefallen bin, sondern mir eine untouristische Metropole angeschaut habe. Dennoch sehr interessant, da Hyderabad aufgrund seiner muslimischen Vergangenheit beeindruckende Gebäude in ebendiesem Stil vorzuweisen hat. Dazu darf an einem Besuch in Hyderabad das berühmte Biryani nicht fehlen! Hier in Südindien bekommt man das zwar überall, original ist es aber in Hyderabad. Biryani ist ein Reisgericht, das viele Stunden in Schichten gelagert gart. Reis, spezielle Soße (auf europäischer Skala nannte man sie scharf) und gekochtes Ei / Huhn / Ziege / Gemüse ... in Biryani macht man hier alles rein, aber immer nur eines davon. In Hyderabad muss man das Mutton (Ziege/Ziegenbock, nicht so ganz klar) Biryani gegessen haben, das habe ich dann auch gemacht. Das war eines der leckersten Gerichte, das ich überhaupt je gegessen habe. Dazu kam, dass ich bei meinem Host Müsli mit Jogurt essen konnte, ja man kann simples Müsli mit Jogurt sehr stark vermissen. Genauso wie studentische Nudeln mit Tomatensauce, da mir eine Küche zur Verfügung stand hatte ich dann tatsächlich an meinem indischen Wochenende mehr 'Westliches' als Indisches gegessen. 
Wie immer vergeht die Zeit rasend schnell und das nächste Wochenende steht schon an, das war dann Goa. Goa - bekannt als Hippiehochburg der vergangenen Jahrzehnte, heute Partyparadies in Indien, während es in Indien eine Kunst ist Bier / Wein / allgemein Alkohol aufzutreiben, ist es in Goa eine Kunst ein Restaurant zu finden, in dem es kein Alkohol gibt. Das liegt maßgeblich an der unterschiedlichen Kolonialvergangenheit - die Portugiesen lieben das Leben einfach mehr als die Engländer. In Old-Goa gibt es Asiens größte Kathedrale (sieht nicht sehr spektakulär aus, wenn man mal den Dom zu Köln gesehen hat), aber auch eine Kirche in der der heilige Franz Xavier aufgebahrt ist. Eine Ganzkörperreliquie, durchaus abgefahren, dass die Jungs hier den kleinen, seit hunderten Jahren toten Franz in einen Kasten mit Fenstern auf einen Schrein hieven. Jedes Jahr im Dezember holt man ihn dann von seinem hohen Ross und zeigt ihn dem Pöbel. Man glaubt tatsächlich er würde nicht verwesen, er ist ja heilig. So richtig unverwest sah der aber nicht aus.
In Panjim, der Regierungshauptstadt Goas, 10 km von Old-Goa entfernt,  gibt es einen großen Markt. Ich wollte einen Fischmarkt sehen, das hat auch geklappt: Haileber, ganze Fische, halbe Fische, Muscheln, komische andere Organe aber nebenan ein Fleischmarkt. Fleischmarkt bedeutet eine Ansammlung von Metzgereien, die 2 Meter weiter schlachten und dann das Tier im Offenen ausnehmen. Kühlung gibt es nicht, Gestank war aber auch nicht zu verspüren. Bilder von Ziegenherzen oder auf- oder abgesägten Köpfen und hängenden Körpern möchte ich ersparen, also lieber einen Eimer voller Hühnerfüße (Man erinnere sich vielleicht an Prisonbreak).
Ich hoffe das sind Hühnerfüße, sieht irgendwie extrem aus, könnten auch Alienhände sein.
Und dann wenige Meter weiter findet der aufmerksame Stadttourist einen sehr beeindruckenden Obst- und Gemüsemarkt. Dort sitzen die Marktfrauen auf ihrem Stand, weil sonst kein Platz ist. Eine riesige Auswahl an frischem Obst- und Gemüse aller Art. Vieles davon hat, glaube ich, keinen richtigen deutschen Namen oder hat mal jemand etwas von einer deutschen Übersetzung des custard apple gehört (dict.cc spuckt Blödsinn aus). Oder reife Papayas, die am Morgen noch am Baum hätten hängen können.
Obst- und Gemüsemarkt, es fehlte der typische Olivenstand, der den ganzen Markt mit Geruch eindeckt.
Nachdem man das Kulturprogramm abhakt, geht man zum eigentlich goaischen Wochenende über, was bedeutet einen der vielen wunderschönen Strände zu erreichen, dort ein Zimmer zu ergattern und zum Abendessen wahnsinnig leckeres Essen und Cocktails im gleichen Laden zu bekommen. Lecker Mojito mit frischen Minzblättern für 70 Rupien im teuren Palolem, was zwar als ruhig gilt, aber touristisch schon so sehr erschlossen ist, dass man sich eine 24/7 Bar am Strand leistet, und das im erzkonservativsten Indien. Dazu einen ganzen Kingfish vom Grill, lecker lecker. Kulinarisch war das Wochenende ein totaler Hit. Der Strand auch, ein Holländer, ein Waliser und ich hatten auch den Plan uns zum totalen Affen zu machen und wollten Surfboards ausleihen - leider (oder zum Glück) ohne Erfolg. Ein Wochenende voller Dolce-Vita sozusagen.
Fischer am Palolem Beach
Zwischendrin natürlich die ganzen Ramschverkäufer, die aber glücklicherweise in Goa alle richtig gut englisch sprechen können (zwecks Abwimmelei). Sogar die kleinen Kinder können das, gegen die haben wir dann noch Strandfußball mit indischen Regeln gespielt. Goa ist also eine Reise wert, wenn man eine Menge Spaß haben will, indische Kultur und indisches Essen wird man dabei eher nicht finden. Eine Reise nach Goa ist eine Reise in einen Urlaubsort, an dem es noch Einheimische gibt, diese aber an Weiße gewöhnt sind und europäischen Touristenstandard erfüllen. Saubere Zimmer, abgetrennte Bäder, westliche Toiletten, abschließbare Türen, bequeme Betten, saubere Bettlaken. Mehr als man in Indien für 150 Rupien (weniger als 3€) pro Nacht in einem Touristenort erwartet.

Mein Aufenthalt in Indien neigt sich dem Ende zu, da ich meinen Bericht abgegeben habe und nur noch 10 Tage übrig bleiben. Diese vergehen schneller als im Flug. Und schwupps, werde ich im Flugzeug nach Dubai sitzen, dort vielleicht schon das erste Rind essen und am Flughafen in Düsseldorf eine Currywurst oder so reinwerfen. 2 Tage in Neuss und dann ab nach Konstanz. Das Leben holt mich also nach dieser surrealen Zeit in Indien wieder ein.

Namaste

Samstag, 10. September 2011

Gokarna war zu verrückt um es in Worte zu fassen!

... Deshalb versuche ich es mit Bildern:
Der Weg zu unserem Hotel war eigentlich diese Brücke, da die Brücke nicht befahrbar war, mussten wir halt durch die Brühe dadrunter...

Mein erster Handstand in Indien, bei dem ich mehrere Sekunden handstand. Der Strand heißt Paradise Beach, weil er einfach paradiesisch war!

Grund 1: Kokosnusspalme erklettern (check!)

In einen fahrenden Zug einsteigen (check!)! Dabei, da ersten Gegenstand verloren, altertümlichen Brustpanzer als Rüstung tragen, denn ich bin ein Ritter. Im Zug auch versuchen Omlettes and Toast zu verkaufen, natürlich im Brustpanzer - Für alle die sich fragen wo mein Pferd ist: Ich habe es dem Stallburschen im Paketwagen gegeben, er kümmert sich drum. 

Man erkennt zwei Dinge: Ich habe einen Stern auf die Stirn geklebt (dazu schreibe ich aber etwas) und ich sitze an einem Fenster ohne Gitterstäbe, das war großartig! Zugfahren, einnicken und geweckt werden, weil einem der Regen ins Gesicht peitscht. 

Sonnenanbeter am Om-Beach

Auf dem Weg ins Paradies muss man auch am Semiparadies vorbei, wobei ich zugebe, dass das auch sehr paradiesisch war!
Die Reihenfolge macht keinen Sinn, natürlich fährt man erst mit dem Zug, chillt dann auf dem Stuhl rum und macht danach seinen Hike ins Paradies um dort auf Kokospalmen zu klettern und Kokosmilch zu trinken. Kokosmilch, weil die Herren dort kein Trinkwasser hatten, wir aber sehr durstig waren (Mittagshitze in Indien und eine Menge zurückgelegte Strecke).
Den Stern hatte ich im Gesicht, weil über das gesamte Wochenende ein Spiel gespielt wurde: Zu Beginn muss jeder irgendeinen Gegenstand kaufen, der von einem anderen (zugelost) die ganze Zeit offen getragen werden muss, meine Punkte waren noch glücklich. Auf dem ein oder anderen Bild kann man sehen, dass aus dem Stern auf der Stirn ein ganzes glänzendes Gesicht wurde. Andere Gegenstände waren: Klobürste, rosa Puppe, Torso einer Schaufensterpuppe (sperrig und unnötig, schlimmster Gegenstand, von einem Waliser an einen Franzosen), ein Stirnband und eine Spülbürste (musste als Indianerfeder getragen werden), Trillerpfeife uvm....

Zum Abschluss noch ein Bild vom Strandyoga:

Yoga ist kein Pappenstiel, immer schön in die Bandas atmen!
Wer sich wundert, warum da soviele Bilder dabei sind:
Ich befinde mich gerade im Kulturzentrum der Metropole Hyderabad und da gibt es richtig fixes Internetz, das ich mal nutzen musste. Jetzt muss ich los, Fotopräsentation von Fotokünstlern startet in wenigen Sekunden, das muss ich mir natürlich angucken!

Namaste!


Donnerstag, 1. September 2011

Niveauausflüge nach Cochin und Hampi

Letztendlich bin ich ja hier auf einer Bildungsreise. Unter der Woche findet man jemanden, der einen Wochenendtrip organisiert oder man tut es eben selbst. Wenn man hier in Südindien weilt und Hampi nur wenige Stunden mit dem Bus entfernt ist (etwa eine Nacht), muss man sich das angucken. Das hat man uns vorher gesagt und ich persönlich gebe das auch gerne weiter! Mit Cochin ist das ähnlich, dort gibt es zwar nicht soviel zu sehen, interessant ist die Lage und die Situation dennoch, da dort Moschee, Kirche, Synagoge und hinduistische Tempel aufeinandertreffen. Die Kirche war vom Baulichen nicht besonders beeindruckend, ich war lediglich an die Säulen der Erde (Ken Follet) erinnert, da es sich um ein simples Holzdach handelte. Gerade die Art von Holzdach, die man als kleiner Frechdachs anzündet, damit der Papa einen Job bekommt. Cochin ist touristisch überlaufen, ich habe noch nie soviele mittvierziger Französinnen wie dort gesehen. Touristisch überlaufen bedeutet auch, dass die Rickshawfahrer Hellhäutige geradezu angreifen. Ich verlasse also den Bus, gucke mich noch nichtmal um da werde ich schon gefragt 'Rickshaw?'- 'No, thank you!'- 'Tuk - Tuk?', ich denke mir also "Ey Typ, ich will keine Rickshaw, also auch kein Tuk-Tuk" und sage 'No?!?' und aus ihm kommt nur ein total verdutztes 'Why not?!' heraus. Wirkte sehr skuril ein bisschen wie wenn ich eine Zeitung von gestern heute am Kiosk zurückgeben will und mich der Typ fragt 'warum' und ich einfach 'warum nicht' sagen würde.
Jedenfalls gibt es Cochin schon sehr lange und im Laufe der Kolonialisierung haben Portugiesen und Holländer am Süppchen Cochin mitgekocht. Was man in Cochin jedoch hauptsächlich kocht, ist Fisch. Der Ort liegt an der Westküste und ist auf einer Halbinsel. Das touristisch bekannteste Motiv, auf vielen Postkarten sichtbar - sind chinesische Fischernetze. Das sind gut austarierte große Holzbalken (auf der einen Seite das Netz, auf der anderen etwa 800 kg Steine), die alle paar Monate verrotten und neu zusammengebaut werden. Man lässt also dieses große Netz ins Wasser und zieht es später wieder heraus. Ins Wasser lassen bedeutet ein leichtes Anheben (eine Arbeit, die man alleine leicht vonstatten bringt), zum Herausziehen stimmt man ein seemännisches HEYAheyaheyaheyaHEYAheyaheya... an um im gleichen Rhythmus zu ziehen.
Das machte uns Spaß, den Indern machte es Spaß uns ihre Arbeit zu zeigen, wenn man das Bild ansieht sieht man links und rechts des Holzstegs große Mengen an Müll. Ja, das ist richtig, der offizielle Mülleimer in Indien ist einfach Boden. Man ist so müllbewusst erzogen und sucht einen Mülleimer, oftmals für viele Minuten, vergeblich. Der Straßenrand egal welcher Straße sieht zugemüllt aus, das Meeresufer sieht schrecklich aus, zum Zumüllen später nochmehr.
Wir haben tatsächlich einen Fischifisch gefangen!

Diese Gegend um Cochin ist bekannt für eine ganz besondere Art von Theater. Es handelte sich dabei um hochtraditionelles (viele hundert Jahre alte Kunst) Tanztheater. Eine ganze Aufführung dauert so etwa 14 Stunden (mehr oder weniger...), wir sahen einen Ausschnitt in dem Gut Böse bekämpft und gewinnt. Tanztheater in Konstanz war deutlich angenehmer anzuschauen als diese Vorführung. Ich gebe zu, dass die Jungs das bestimmt richtig gut konnten. Diese Art Theater wird jedoch nur an sehr wenigen Schulen gelehrt und diese sind überlaufen. Dort studiert man dann entweder Trommel, Gesang oder Schauspiel (alles etwa 4 Jahre, so genau habe ich mir das nicht gemerkt). Jedenfalls erinnerte das alles stark an Eurythmie. Jede Phrase bekommt eine eigene Bewegung, die Körper und Mimik einschließt. Diese muss nicht intuitiv verständlich sein. Daher kann man selbst mit Inhaltsangabe dem Stück nicht folgen. Es wirkt wie ein schräges Getanze zweier Männer, die enorm geschminkt sind. Ahja, bevor diese 2 Szenen gespielt werden, wird auf traditionelle Art geschminkt, man nimmt bestimmte Steine und Kokosnussöl (natürlich, man ist ja in Kerala) und reibt diese auf einer Art Schieferpalette. Damit färbt man dann sich und seine Kollegen ein. Zeitweise wirkte das wie eine homoerotische Bodypantingparty.
In der Bildmitte, der Dämon, der später noch umgebracht wird. Links der Trommler, der dafür 4 Jahre ausgebildet wurde.

Laut Ausflugsplan haben wir dann noch einen Backwatertrip gemacht, also sind in eine Nussschale eingestiegen und sind durch die kleinen Wassergässchen gegondelt. Zwischenhalte haben uns gelehrt, wie man aus Kokosnussschale Seile herstellt, wie man Kokosnussfruchtfleisch von der Schale trennt und dass es selten vorkommt, dass man von einer Kokosnuss erschlagen wird. Außerdem wäre das nichts Schlimmes, die Kokosnuss in Kerala eine heilige Frucht ist. Während wir also durchs Wasser dümpeln werden wir von Wasserschlangen begleitet, sehen natürlich Kühe, die gibt es ja hier überall, einen Kingfisher (das ist der Blau-Orangene Vogel, das Wappentier eines der zwei größten Unternehmen, dieser Vogel prangt auf Bier einer Airline, Wasser und Kram - in dieser Reihenfolge). Und das Highlight: Ich war dort wo der Pfeffer wächst. Also Pfeffer (holt man mit 9 Mannen in einem Land für alle, die in die Fuggersche Kaufmannslehre gingen) wächst an einem Baum als Ranke, aber nicht als Parasit. Das ist unserem Führer und bestimmt auch dem Pfeffer wichtig. So roh vom Baum ist er grün und schmeckt noch nicht (trocknet man ihn bekommt man grünen Pfeffer für die Mühle). Verschiedene Trocknungen lassen ihn entweder schwarz, weiß oder rot werden. Dann zeigte man uns einen Baum dessen Blätter zum Würzen genutzt werden, diese heißen vielversprechenderweise Allspice. Vielleicht ist es dieses Gewürz, was jedem indischen Gericht beiwohnt, auch wenn es nur ein Käse-Tomate-Sandwich ist. Direkt daneben wuchs ein Zimtbaum. Zimt selbst ist ja bekanntlich eines Baumes getrocknete Rinde. Ritzt man den Baum frisch an (findet man dahinter entweder die Made mit dem Kinde - oder eben nicht) und isst den Zimt direkt pur, so schmeckt er zunächst süß, dann wie man Zimt kennt und dann etwas scharf, interessante Kombination. Zuallerletzt machte man uns mit der Muskatpflanze bekannt. Für mich gab es bisher nur die dazugehörige Nuss zum Reiben in Kartoffelbrei. Genauso geschmacksintensiv, aber viel einfacher zu verarbeiten ist die innere Schale. Diese ist rot und sieh etwa so aus wie eine Hundelefze, wahrscheinlich gibt es die daheim nicht, da sie sich nicht solange im Kontainer auf dem Schiff hält. 
Eine 14 Stunden lange Heimfahrt im Bus ein paar Arbeitstage und eine 10 Stunden Lange Hinfahrt später sind wir in Hospet. Das ist nicht soweit von Hampi, dem bekannten Tempelhampi entfernt, also machen wir uns auf den Weg dahin, in Rickshaws, natürlich wollen alle Fahrer uns gleichzeitig befördern und diese streiten sich um uns vielzahlende Kunden. Jedenfalls regelt sich das nach einigen Sekunden lautstarkem Gezeter und wir sind endlich auf dem Weg in die heilige Stätte Hampi. Dort angekommen sehen wir lauter Restaurants und Hotels, die behaupten europäisches Essen servieren zu können. Nach einem Frühstück in einem Solchen war manchen von uns das Gegenteil bereits bewiesen.
Wir kauften uns einen Führer, der uns Hampi selbst, die Tempel, die Umgebung und alles Sehenswerte zeigt. Da man natürlich nicht laufen mag, mieten wir uns Mopeds. Zwölfköpfige Mopedgang im indischen Linksverkehr mit inflationärem Gebrauch der Hupe, die an die Drehzahl gekoppelt ist. Also immer schön Hupen und Vollgas, sonst hört keiner. 
Ein Sechstel der Mopedgang
Neben Tempeln in Hampi hatte das Wochenende noch Tempel in Badami zu bieten. Auf dem Weg dahin machten wir Zwischenstops an anderen bekannten Sehenswürdigkeiten. Dort heißt es auf Schildern 'Indians 10 Rs',  'Foreigners 250 Rs'. Ich möchte nicht wissen, was die Mainau an den Kopf bekommen würde, würde man den 25-fachen Preis als Eintritt verlangen, das wäre für die französische Rentnerwohngemeinschaft pro Kopf mehr als 300 Euro. Ich kann verstehen, dass man soviel Geld wie möglich aus uns reichen Europäern, Russen und Amerikanern pressen will. Nur gibt es Länder in der Welt, in denen man sich 250 Rs. für alte Gebäude zehnmal überlegt, weil das Lohnniveau einfach gleich dem in Indien ist - Schweinerei sage ich da. Und habe ab dann loyal an jeder Sehenswürdigkeit (Indisch zu Ausländisch ist mindestens Faktor 10) dem Verkäufer einen Besuch im deutschen Museum zum Schnäppchenpreis von 8000 Rs. angeboten (80% der Inder haben etwa 30.000 Rs. pro Jahr zur Verfügung). Einer hat auch glücklicherweise verstanden worauf wir hinauswollten, naja nicht zu ändern. In Badami hat man Tempel in natürliche Höhlen eingeschnitten. In einer der Höhlen war auch eine Buddhastatue, dieser wurde leider das Gesicht abgeschnitten, Religionen sind untereinander einfach nicht kompatibel. 
Die haben sich mit den Tempeln wirklich Mühe gegeben.

Von diesen Höhlentempeln aus konnten wir das örtliche Wasserreservoir sehen. Das war umgeben von Treppenstufen und sah in der örtlichen Hitze zum Baden sehr einladend aus. Wir hatten noch eine Stunde bis wir zurück mussten, also machten wir uns auf den Weg um diesen Tümpel. Vorbei an einer Kuhwaschanlage, einigen Indern, die sich hinter Steinen aufhalten um sonstwas zu verrichten zu einer Höhle, die man nur kriechend betreten kann. Bewegt man sich dann noch weiter kommt man zu dem Punkt, wo das Wasser jeglichen Ballast ablegt, also alles was dieses Wasserreservoir, was als Trinkwasser genutzt wird, so abbekommt:





Schuhe sind dabei, glaube ich, noch das geringste Problem. Mich hat die farbliche Ähnlichkeit zum Pflanzenleben erstaunt. In Indien ist prinzipiell alles eine Müllhalde, darüber habe ich mich auch viel mit den Indern hier unterhalten, die sagen alle 'The problem is just, that there are too many Indians...'. Zuviel Arbeitslosigkeit, zuviel andere Probleme, wieso noch um Umweltverschmutzung kümmern, wenn du kein Dach über dem Kopf hast und Hunger leidest (Maslow lässt grüßen).
Zurück nach Hospet. Nach dem Abendessen machen wir uns auf mit einigen Rickshawfahrern einen Preis für 10 Personen auszuhandeln. Wir einigen uns auf 50 Rs. pro Person und wollen einsteigen. Eine Gruppe anderer Rickshawfahrer bietet 450 und es kommt zum Streit. Wir haben ja zugesagt und auf uns Europäer ist bekanntlich Verlass, also wollen wir einfach nur noch los. Die Inder schubsen sich noch etwas rum (spielen shaking Ullrich) fahren uns aber schlussendlich doch noch nach Hause.
Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg auf einen der umliegenden Hügel zu laufen (Hampi ist bekannt als Boulderparadies, wegen der großen Steinformationen, sieht beeindruckend aus. Entstanden aus Vulkanen vor vielen Millionen Jahren) um den Sonnenaufgang zu erleben. Sehr beeindruckend trotz Bewölkung! Das Genießen hat in mir dem Bildermachen Überwogen, ich muss nur mindestens ein Bild des Hauptportals des Tempels in Hampi veröffentlichen: Dieses zeigt das Portal in den ersten Sonnenstrahlen eines großartigen Tages, an dem wir die restlichen Sehenswürdigkeiten auf Fahrrädern erkundet haben


Später schreibe ich vielleicht noch von dem vielleicht verrücktesten Tanz, der jemals auf einer indischen Bühne vorgeführt wurde, sowie dem anschließenden Wochenende am Strand in der Nähe von Gokarna (nicht so weit südlich von Goa...) was an Verrücktheit einiges zu bieten hatte.
Namaste

Montag, 22. August 2011

Stand - Javier

Eigentlich wollte ich über den Strand schreiben, das ist aber eigentlich einfach nur ein Strand. Besonders sind die Gepflogenheiten, an die wir Europäer uns nicht halten. Inder gehen, wenn sie baden, mit Jeans und T-Shirt ins Wasser. Badehose - Fehlanzeige. Das sind männliche Inder, weibliche Inder gehen erst gar nicht rein, die einzige indische Frau, die ich im Wasser gesehen hatte, war mit einem Sari bekleidet.
Javier, mein erster Zimmergenosse hier, Vollblutspanier und ganz ganz große Spaßkanone war besonders bekleidet und ist auf Jagd nach Indern gegangen:
Dieses Bild bedarf keiner Bildunterschrift
Manche der Internationalen, die sich die Zeit nehmen nicht zu arbeiten
Jedenfalls zeigt das Bild Javier wie er leibt und lebt. Ansonsten ist Strand sandig, auf der einen Seite Wasser, auf der anderen Kokospalmen und Restaurants, bzw. Straßenküche.
Von vielen Tempeln in Hampi und chinesischen Fischernetzen in Cochin schreibe ich später noch.
Namaste


Freitag, 19. August 2011

Arbeit Arbeit

Ich bin ja jetzt schon ein paar Wochen hier und habe auch einige Stunden gearbeitet. Nachdem mein Mentor hier so zufrieden mit den Ergebnissen war, hat er mich gebeten meine Arbeit in seiner Vorlesung (Computerphysik für die Studenten im zweiten Jahr ihres Masterstudiums in Physik) vorzustellen, mit Englischsprechen, Präsentation (natürlich LaTeX) und allem Pi Pa Po. Ich habe noch ein paar meiner Mitpraktikanten eingeladen um das ein oder andere Bild zu schießen, dank denen kann ich hier auch eines publizieren:


Um meine Arbeit mal etwas genauer zu beschreiben - Höflichkeit ist kein Grund weiterzulesen (unten gibt's noch ein kleines Drehbuch für die Unphysikalischen): Ich habe mir einen Zufallszahlengenerator gebaut und mit den generierten Zufallszahlen zuerst den radioaktiven Zerfall einer bestimmten Zahl von Teilchen simuliert. Interessanterweise traf meine Zufallszahlenmethode die analytische Lösung (Exponentialfunktion mit negativem Exponenten ;-] ) exakt genug, dass man ohne Zoom den Unterschied nicht sieht. Nachdem das also geklappt hatte habe ich mich an eine reelle Zerfallskette gemacht und siehe da, auch diese Daten passten exakt zum Experiment und zur numerischen Lösung (Der Experimentator hat also durch mich nichts gewonnen, weil er eine numerische Lösung schon hatte, sofern er fähig ist google.com zu verwenden). Um nochmehr an radioaktivem Zerfall zu arbeiten, habe ich noch die Häufigkeit von Zerfallsereignissen pro Zeitintervall untersucht. Dafür erwartet man eine Poisson-Verteilung und siehe da, das klappte auch.  
Mit meiner Präsentation heute bin ich also fertig mit meinem Projekt (natürlich hat man es sich nicht nehmen lassen mich für mehr Arbeit einzuspannen und daher arbeite ich jetzt an Diffusion, das ist aber wieder eine völlig andere Geschichte).
Für die Unphysikalischen, hier weiterlesen:
Das schönste war aber Zwischenergebnisse vorzustellen, das läuft immer gleich ab, ein kleines Zwischenspiel in einem Akt:
---
Philipp: 'Hello Sir, I think I got some results' ...
[Philipp versucht sein Notebook aufzuklappen und die Maschine bereit zu machen, nachdem er das richtige Fenster findet dreht er den Bildschirm und wartet auf des Inders Kommentar] 
Mahesh: [schreit über seine Bürowand {als kleine Erklärung: Büros haben zwar eine Decke, die Wände schließen aber nicht an der Decke ab, das kann man sich wie Toilettenwände zum drübergucken vorstellen}] 'Aaaaah, Pramod, Pramod {das ist sein Büronachbar}' 
Pramod: [betritt den Raum] 'Huh?'
Mahesh: [starker indischer Akzent] 'radioactivity frequency...'
[Philipp versteckt seine Unsicherheit in einem Lächeln]
Pramod: [stärkerer indischer Akzent] 'Aaaaaaah, wonderful'
[Philipp verbirgt seine Siegesgewissheit in einem Lächeln]
[Mahesh und Pramod unterhalten sich in Hindi, Philipp guckt blöd aus der Wäsche und versucht das Verfolgen des Gesprächs vorzutäuschen]
Mahesh: 'So what you will do next, is:....'
[Pramod spricht Hindi und verlässt den Raum]
[Philipp nickt Pramod zu und hört sich seine nächste Aufgabe an]
...
Philipp: 'Thank you sir, i'll come back when I finished that'
[Ein Gespräch über mein Befinden in Indien, sowie der vergangene Wochenendtrip und der folgende Wochenendtrip könnte aufkommen]
Mahesh: 'Bye'
Philipp: 'Bye'
[Philipp verlässt den Raum, vergisst seinen Regenschirm, kommt zurück, lacht, verlässt die Bühne mit einem gekonnten Wurf, den Regenschirm in der Luft drehend]
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Naja jetzt habe ich erstmal Urlaub.
Namaste


Mittwoch, 10. August 2011

Ein Wochenende Nichtrafting

Ich bin im Büro und vernehme ein "... Let's do something awesome, not temples again - I wanna go rafting!..." Ich also "I'm in!" und wir brechen in der Nacht von Freitag auf Samstag auf einen Eintagesmännertrip auf. Rafting ist der Plan, nach einer Busfahrt durch die Nacht kommen wir völlig übermüdet (Schlafen bleibt auf diesen 'Highways' ohne irischen Schlaftrunk - Whiskey unmöglich) am Zielort an und erfahren, dass es dort kein Rafting gibt. Stimmung - Null, Wut 180. Die erste email sagte A, die zweite hingegen sagte B. Unglücklicherweise las unser indischer Kollege die zweite email nicht, also waren wir 650 km am falschen Ort, 4 Stunden vor Beginn des Raftings. Auf deutschen Autobahnen kein Ding, in Indien sind 650 km eine Tagesreise (der Schotterweg Wassersportgelände, Mainau, Litzelstetten ginge als Highway durch).
Nach einigem Missmutigsein entscheiden wir uns umzubuchen und Kajaking, ein bisschen Stromschnellen und so eine Bootstour zu machen. Die Stimmung hebt sich schlagartig mit dem Einsitzen in den Kajak, Ire, Spanier, Holländer und ich machen sich mit einem Inder als Führer auf und stechen in Fluss. Man kajakt so dahin und plötzlich ruft der Inder 'look, crocodile'. Wir sind etwas erstaunt, wir sind vorher auf Safari gewesen und haben keine Tiger gefunden, sind jetzt nicht auf Safari aber paddeln im Fluss mit Krokodilen. Der Holländer hat Todesangst und erstarrt, der Spanier ist sowieso verrückt (ich werde ihm einen eigenen Blogeintrag widmen!), der Ire und ich wollen näher ran, wir sitzen ja in einem Kajak - was kann schon passieren, dürfen aber nicht. Kajaking im Urwaldfluss macht jedoch einen Heidenspaß! Der Rest der Gruppe machte zu der Zeit eine Bootstour in einem halben Fußball aus Metall. Also einfach eine stählerne Nussschale, diese Bootstour endet am anderen Flussufer in felsig, buschigem Gebiet. Wir entscheiden uns, da wir auf der anderen Seite sind, den Fluss schwimmend zu durchqueren, das Krokodil haben wir nicht mehr im Kopf. Auf der anderen Seite erwarten uns große Felsbrocken und eine Menge Spaß in Stromschnellen. Wir klettern also über die Steine, rutschen manchmal ab, aber nichts schmerzhaftes passiert. Dann passiert etwas blödes: Einer der Inder schlägt vor die Stromschnelle als Naturrutsche zu benutzen, man kann auch eigentlich nichts anderes machen, weil das Wasser sehr mitreißend wirkt. Unter der Wasseroberfläche warten aber Steine und man klemmt sich den Fuß ein, das ist eher schmerzhaft. Nach einigen Sprüngen von einem glitschigen Felsbrocken in einen Fluss, der mal 30 cm, mal 2 m tief ist und nach dem Rückweg durch den Fluss findet der Ire eine Seilschaukel. Also ein Seil an einem Baum, man schwingt in etwa 5-10 m Höhe an einem alten Hanfseil im Dschungel herum, super!
Auf dem Weg zurück machen wir halt an einer Krokodilfarm (viele viele Krokodile), spielen ein bisschen Cricket (eigentlich nur der verrückte Spanier), jagen kleine indische Kinder (nur ich, Huckepack auf einem Belgier, siehe Bild) und besteigen unseren Bus in Richtung Liquorstore. Im Bus haben wir eine kleine Party, weil wir sowieso nicht schlafen können, wegen der schlechten Straßenverhältnisse. Nach einem kleinen Zwischenstopp (am Meer, weil Küstenautobahn) inklusive Omelette mit Toast bei einem Typen, der auf Feuer am Straßenrand kocht und irischer Großmutters Schlaftrunk - Whiskey, schlafen wir wie die Babys und erreichen am Sonntag Morgen nach einem unglaublich guten Tag Nichtraftings Manipal.
Wie man in Indien einen wunderschönen Strand erreicht schreibe ich vielleicht gleich noch.
Namaste